Frühgeschichte und Entstehung der Hausnummern

Erste Hinweise auf die frühesten Bewohner Silschedes geben uns die Namen einiger Ortsteile. So lassen die Endungen -ey (für Gehölze und Büsche) in den Namen Börkey und Hülsey ebenso wie die Endung -becke (für fließende Gewässer) in den Namen „In der Becke“ und Gehrenbecke auf eine alt-fränkische Besiedlung um 500-700 n.Chr. schließen. Die sächsische Siedlungsperiode (700-900 n.Chr.) führte zu den Ortsnamen mit -inghausen; Ellinghausen dürfte also um diese Zeit erstmals besiedelt worden sein.

Wappen des Großherzogtums Berg
Die erste urkundliche Erwähnung Silscheder Bewohner bleibt im Unklaren. Zwar wird schon 1270 eine Sippe Kalthoff erwähnt, aber es ist nicht nachweisbar, dass die Erwähnung sich auf die Silscheder Kalthoffs bezieht. Auch das ein Jahr später urkundlich genannte Rittergut Schlebusch lässt sich nicht zweifelsfrei in Silschede verorten. Sicher ist jedoch die erste Nennung von Gut Steinhausen im Jahr 1300: „Godeschalcus von Gut Steinhausen zu Silschede“ macht dem Kloster Gevelsberg eine Schenkung.

Der Name „Silschede“ taucht erstmals 1486 im Schatzbuch der Grafschaft Mark auf als „Sylsyker burschop“ (Silscheder Bauernschaft). In diesem Schatzbuch werden 15 Höfe für Silschede benannt. Bis zum Dreißigjährigen Krieg wächst Silschede bis auf 22 Höfe an; nach dem Krieg sind es nur noch 17 Hofstellen mit 70 Einwohnern. Danach geht es durch die aufkommenden Zechen (1645 St. Peter, 1647 Dachs- und Grevelsloch, 1657 Schlebusch) rasch aufwärts. Die Zahl der Höfe bleibt zwar konstant bei ca. 25, aber es kommen Bergleute und Kötter ins Dorf, so dass im Jahr 1738 bereits 215 Einwohner, davon 86 Kinder, gezählt werden. Im Jahr 1812 sind es schon 404 Einwohner, davon 71 Männer, 75 Frauen, 138 Jungen und 120 Mädchen. Von den Männern sind 17 im Bergbau tätig, 10 sind Kohlentreiber. Silschede gehört zur Mairie Volmarstein im Département Ruhr des Großherzogtums Berg. Als Satellitenstaat Frankreichs sollte das Großherzogtum – neben anderen – als Modellstaat dienen, u.a. für eine moderne Verwaltung. Um 1811 tauchen deshalb erstmals Hausnummern auf.

Mit dem zunehmenden Bergbau wächst die Zahl der Bewohner weiter; im Jahr 1905 hat Silschede 164 Häuser und 1.597 Einwohner. Bis 1913 kommen noch ca. 200 dazu; die Zahl von ca. 1800 Einwohnern hält sich dann bis zum 2. Weltkrieg.

Topografische Karte um 1900
Weitere Informationen zur Geschichte des Orts finden Sie auf der Website dorf-silschede.de

Das Dorf Silschede ist um 1900 eine Mischung aus Streusiedlung und Straßendorf: es besteht aus wenigen, weit auseinander liegenden Bauernhöfen und Kotten; der Dorfkern ist nicht sehr ausgeprägt. Gleichzeitig reihen sich die Häuser entlang der wenigen Straßen. Bis 1961 gibt es keine Straßennamen; die Hausnummer allein reicht zur Adressierung aus.

Allerdings kennt der Volksmund sog. Übernamen für die aus Silschede herausführenden Straßen (eine Liste dieser Straßen mit Links zu weiteren Informationen finden Sie auf der Startseite).

Die Auflistung der Häuser orientiert sich an diesen Straßen; dazu kommt noch Ellinghausen.

Nach 1812 und nochmals zwischen 1873 und 1884 wurden die Häuser neu nummeriert. Dabei fing man in Steinhausen mit der Nr. 1 an, ging von da aus nach Westen in Richtung Hiddinghausen und wieder zurück bis zur Kirche, das Dorf hinunter bis zur Gemeindegrenze Berge und über Ellinghausen zum Dorf zurück, dann die Schwelmer Straße entlang nach Osten. Neue Häuser zwischen bestehenden Gebäude erhielten Bruchteilsnummern (so gibt es z.B. die Nr. 34 ¾), oder – z.B. wenn sie sich auf dem gleichen Grundstück befanden – Kleinbuchstaben (z.B. 20a).

Im Jahr 1958 vergab der Gemeinderat für alle bis dahin vorhandenen Straßen Namen, und Ende 1961 erhielten alle Häuser neue Hausnummern. Dabei wählte man ein in Deutschland weitverbreitetes System: von der Ortsmitte mit 1 beginnend, die ungeraden Nummern links und die geraden rechts und die Straße entlang dann fortlaufend, wobei unbebaute Grundstücke zu Lücken führen. Mit der Eingemeindung nach Gevelsberg (1970) gab es einige Straßennamen doppelt; einige Silscheder Straßen erhielten daraufhin neue Namen, etliche Häuser auch neue Hausnummern. Gleichzeitig musste Silschede Flächen an die Nachbarstädte Wetter und Sprockhövel abgeben. In den neuen Gemeinden führte dies in weiteren Fällen zu neuen Straßennamen und Hausnummern.