Provinzialstraße Nirgena - Herdecke

Teilstück der Provinzialstr. "Am Hagen" (1978)

Bei Haus Nr. 87 treffen wir wieder auf die Provinzialstraße Nirgena-Herdecke. Sie gehörte zu den ersten befestigten Straßen in der Region. Während bis zum 18. Jahrhundert die Kohlentreiber bei Regenwetter im Matsch versanken und bei starkem Schneefall oder Glatteis gar nicht mehr vorwärts kamen und ihre Kohlen auf Halde legen mussten, konnte nunmehr die Kohle mit Fuhrwerken statt auf dem Rücken der Pferde transportiert werden. Wie stark diese Straße von den Fuhrleuten und Kohlentreibern benutzt war, lässt sich daran ersehen, dass sich an dem kurzen Abschnitt vom Handweiser bis zum St. Peter Zechenweg (heute Schlebuscher Str.) fünf Gaststätten befanden: „Zum Handweiser“, „Am Denkmal“, „Bolte“, „Haus Geitebrügge“ und „Gaststätte zum Sportplatz (Am Büffel)“. Ab dem Büffel war die Straße gleichzeitig Ortsgrenze: während das südlich gelegene Oester-Ellinghausen zu Grundschöttel gehörte, waren die nördlichen Gemarkungen Specht, Hinnebeck und Grünewald – bis hinab zum heutigen Berufsbildungswerk Volmarstein – Silscheder Gebiet. Mit der Gemeindereform 1970 wurde der gesamte Bereich einschl. dem Schlebuscher Kohlenrevier der Stadt Wetter zugeordnet.

Östlich der Provinzialstraße, von der Bremmenstraße bis zum Schafstall, gehörte das Gelände bis zur Gemarkungsgrenze Ellinghausen früher zum Kaltenhof (siehe Kap. 7). Auf der westlichen Straßenseite lag noch noch ein weiterer, bisher nicht beschriebener Teil des Kaltenhofs. Er gehörte der Familie Schröder und reichte vom Schulweg (heute Brandteich) bis zum heutigen Sportplatz und im Osten bis zum Herrenhaus (Nr. 91) an der Kirchstraße. Hinter dem Haus baute Friedrich Wilhelm Schröder im Jahr 1900 eine Eisengießerei, die weitere Arbeitsplätze nach Silschede brachte. Er und später sein Sohn Diedrich, der auch als stellvertretender Gemeindevorsteher und Amtsvorsteher politisch aktiv war, betrieben die Fabrik bis 1937, dann zerstörte ein Großfeuer die meisten Anlagen.

An der Stelle der alten Fabrikhallen hat sich inzwischen eine Firma für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik angesiedelt. Eine weitere, kleine Halle (heute Kaltenhof 13) brannte bereits 1912 ab. Schröder verkaufte sie später an Engelbert Stuhldreier, der dort eine Werkstatt einrichtete; in den alten Gebäuden firmiert heute eine Glaserei.

Einen anderen Teil des Geländes hatte die Gemeinde bereits frühzeitig übernommen, um darauf einen „Todtenhof“ anzulegen, der 1884 eingeweiht und noch im gleichen Jahr zum Selbstkostenpreis von 487,67 Mark an die ev. Kirchengemeinde weiterverkauft wurde. Bereits 1908 erfolgte eine erste Erweiterung, 1953 die zweite. 1958 wurde eine Friedhofskapelle errichtet; die Kanzel hierfür fertigte Gustav Bolte jun. aus der Eichenholzvertäfelung der Villa Hueck (s. Nr. 1).

1960 kaufte die Gemeinde eine weitere, 10 Morgen große Fläche, die ebenfalls zum Kaltenhof gehört hatte, zum Quadratmeterpreis von 1,26 DM, um dort einen neuen Sportplatz zu bauen, nachdem der alte Jahnsportplatz am Büffel nicht mehr den Anforderungen entsprach. Bis zur Einweihung sollte es allerdings noch 10 Jahre dauern; der bei der Eingemeindung nach Gevelsberg versprochene Ausbau der Vorplatzes erfolgte sogar erst 50 Jahre später, im Jahr 2020.

Zum Bestand der Fam. Schröder gehörte des Weiteren das Land zwischen der Eisengießerei und dem Haus Reschop (Nr. 62 ½). Hier standen Anfang des 20. Jahrhunderts lediglich 3 Gebäude (heute Kirchstr. 32, 42 und 46); erst nach dem 2. Weltkrieg wurde das Areal parzelliert und nach und nach bebaut; die letzten Lücken schlossen sich erst nach 1990.

Der hier dargestellte Abschnitt der Provinzialstraße besteht aus drei Teilen:

  • Der südliche Abschnitt hieß ab 1958 Gevelsberger Straße bzw. Kirchstraße, wurde mit der Eingemeindung nach Gevelsberg 1970 zur Wittener Straße und – ab deren Neubau 1980 – zur Eichholzstraße.
  • Der mittlere Abschnitt umfasst den unteren Teil der Kirchstraße und die Straße „Am Hagen“; diese Strecke wurde mit dem Bau der Eichholzstraße abgebunden.
  • Der östliche Abschnitt besteht aus der Schwelmer Straße, die an der alten Ortsgrenze zu Grundschöttel allerdings bis ca. 1960 weiter südlich verlief (heute heißt dieser Abschnitt „Auf den jungen Eichen“).
  • Die folgende Karte ist interaktiv:

    86 87 87 ½ 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 ½ 98 99 99a 100 101 102 102 ½ 102a 103 103a 104 105