Provinzialstraße Silschede-Gevelsberg

Silschede Mitte von Nordwesten

Die Provinzialstraße vom Nirgena in Gevelsberg bis nach Herdecke wurde ab 1815 gebaut; da sie eine feste Fahrbahndecke hatte, wurde sie auch Chausseestraße genannt. Der Abschnitt vom Börkey in Gevelsberg bis zum Hagen in Silschede war 3.871 m lang und als Kohlenweg Nr. 12 eingetragen. Die Straße führt durch den Kaltenhof, ein altes Silscheder Gut. Es wird schon um 1650 als „Churf. Pfachtgut“, d.h. als Erbhof, geführt. und war auch nach dem Dreißigjährigen Krieg noch – im Gegensatz zu den übrigen Höfen in Silschede - in gutem Zustand und relativ groß. Zum Hof gehörten 20 Morgen Ackerland und 1 Morgen Weideland, und ein „eigenes Gehölze“, das Kalthöferholz, worin man „16 Schweine feist machen konnte“. An Vieh waren 1 Pferd, 1 Fohlen, 6 eigene Kühe, 1 geliehene Kuh, 2 Rinder, 3 Kälber und 7 Schweine vorhanden.

Um 1800 umfasste der Kaltenhof das gesamte Gebiet südlich des Ellinghauser Wegs und der Asbecker Straße (in der Karte punktiert) – ca. 600 Morgen Weide- und Waldland.

mehr Pächter war zu der Zeit Friedrich Wilhelm Kalthoff mit seiner Frau Anna Maria Revelmann. Durch die Zugehörigkeit des Großherzogtums Berg zum Rheinbund gehörte das Gut faktisch dem französischen Staat. Als Folge der damals vorgenommenen Verwaltungsreformen entstand um 1807/08 am Kaltenhof eine „Wegegelderhebungsstelle“; die Gegend heißt heute noch „Am Schlagbaum“. Nach dem Sturz Napoleons 1814 kaufte Kalthoff dem Staat das Gut ab. Einen Teil des Landes stiftete er der Gemeinde Silschede für den Bau der neuen Schule (Nr. 64). Das meiste erbte sein Sohn, Friedr. Wilhelm Leopold Kalthoff, verheiratet mit Wilhelmina Bredt. Das Paar hatte keine männlichen Erben; zwei der Töchter heirateten die adligen Gebrüder von Pelcke, eine dritte Tochter einen höheren Offizier. Die von Pelckes besaßen in Ostdeutschland noch große Güter und verkauften daher den Kaltenhof samt aller Kotten und Waldungen in den 1870-er Jahren nach und nach (s. Sonderseite Parzellierung des Kaltenhofs). Die Wiesen im Bachtal übernahm Herr Liebrecht, Besitzer des Guts Sundern. Als letztes wurden 30 Morgen Wald an Walter Stark verkauft. Damit war der Kaltenhof - rund 75 Jahre nach seiner groessten Ausdehnung – Geschichte.

Die Provinzialstraße erhielt 1958 den Namen Gevelsberger Straße, wurde 1970 zur Wittener Straße und um 1980 zur Eichholzstraße.

Sonderseite "Parzellierung des Kaltenhofs"

Die folgende Karte ist interaktiv:

69 / 69a 70 71 72 72a 72b 73 73 ½ 74 74 ½ 75 76 76 ½ 77 78 79 79 ½ 79 ¼ 79 ¾ 80 81